25.03.2012

Arbeiten bis wir in den Himmel kommen


Welche Generation  trifft es?
Wie wollen wir unser Alter leben? Wie passen Arbeit und Alter zusammen? Altersgerechte Arbeit ist noch ein Fremdwort.

Gewiss ist: Je höher das Rentenalter gesetzt wird, desto kontraproduktiver kann es sich auf die Gesundheit und Motivation der zukünftig alternden Generationen  auswirken, denn freiwillige Arbeit von Jungrentner, heute zwar noch hoch gelobt, wird wahrscheinlich früher oder später durch Moral, Pflicht und Druck ersetzt. Dahinter steckt die Angst, finanziell nicht zu überleben.

Ein Leben, das Erholung, Freiheit, Freizeit, die Selbst-Entwicklung in den Fokus stellt, hat auch immer noch den Geruch von Faulheit und Egoismus. Sind wir gerade daran, errungene Freiheit und Selbstverwirklichung wieder abzuwürgen?
Was sind wir in unserer heutigen Lebenseinstellung einseitig und verzagt!

Beispiel: Was geschieht mit unseren Rentner der Generation, geboren zwischen 1960 und 1975?
Zuerst ändert sich das Leistungsbild der alternden Gesellschaft hin zur Pflicht und nicht zur Freude an der besseren Gesundheit. Die bessere Gesundheit, produktiv gemacht im neuen Leistungsbild, erhöht die Erwartungen der Gesellschaft an das Arbeitsvermögen einer alternden Generationen.
Dieser Erwartungsdruck wiederum kann ermüdend wirken und die Motivation, Gesundheit und Einstellung der betroffenen Menschen hemmen. Sehr viele dieser Menschen erleben in ihrem heutigen Berufsleben Stress, Schnelligkeit und totale Verfügbarkeit. Nur wenig Zeit bleibt für die Wahrnehmung des Lebens und für die Persönlichkeitsentwicklung und wenig Zeit bleibt, neben der Arbeit im Leben eine Balance zu finden.

Aussteigen, aus welchen Gründen auch immer, dürfte schwieriger werden. Freiwilliger Rückzug aus dem Arbeitsleben, bei voller Gesundheit wird zum Laster erklärt. Wer nicht in Arbeit bleiben will, der gehört sanktioniert, denn er zahlt ja keine Pensionskassenprämien mehr ein. Ob wir unter diesem Druck immer noch so motiviert und gesund arbeiten wollen, wie es die heutigen Sechziger tun?

Mit der Erhöhung des Rentenalters schiebt sich also das leistungsorientierte Verhalten weiter in die Jahre. Alt sein und die Lebensphase des Alters bewusst zu erleben, wird dadurch nur hinausgeschoben. Wenn es einmal soweit ist, bleibt keine Zeit mehr, sich daran zu gewöhnen. Die Umstellung vom Leistungserbringer hin zum Pflegefall wird rasch, ungewohnt und oft auch brutal sein. Für einige Menschen könnte die reflektierende Phase der Lebenserfüllung möglicherweise unerreichbarer Traum bleiben. Der Spruch „Wenn ich pensioniert bin, dann…“ wird zur Illusion. Es gibt nichts, das noch hält...

Vielleicht aber lernen wir noch rechtzeitig, das Leben nicht nur über die Arbeit zu definieren. Diese Lernchance haben wir immer. Vielleicht gibt es eine Form von Altersweisheit, die in die Arbeitswelt einfliessen kann, so dass selbst die jüngeren Menschen davon profitieren können.

Möglich: Hinter dem höheren Rentenalter kann sich eine neue Altersdiskriminierung verstecken. 

Betroffen sind vor allem jene Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr voll arbeiten können oder mögen. Müssen diese Personen in Zukunft amtlich beweisen, dass sie nicht mehr mögen? 
Wer bezahlt dann den Lebensunterhalt der vorzeitig ausgestiegenen neuen Kranken der 60jährigen Ex-Arbeiter, die ja nun nur eine gekürzte Rente erhalten?

Solange hinter dem Begriff Arbeit allein die heutige Leistungseinstellung steht, werden Menschen, die früher aussteigen, möglicherweise zu neuen Randgruppen gemacht.

Es betrifft all jene, die nicht ins Bild der munteren Alten passen.

Wann arbeiten wir länger?
Das neue Rentenalter kommt ja nicht sofort. Da gibt es noch viel zu besprechen. Sollte es kommen, dann trifft es aber zielsicher und genau die heute Mitte-Generation.

Leider haben die Menschen 45Plus scheinbar keine Generationen-Stimme in der zukünftigen Pensionskassen- oder AHV-Revisionen. Die Mitte-Generation hat sich noch nicht formiert.

Sie hätte eine Chance zu beweisen, dass Gelassenheit, Langsamkeit und Reflektion des Lebens, so wie es heute von vielen Rentner gelebt wird, einen hohen Wert in der Arbeit haben könnte, denn gerade die heutigen aktiven Rentner zeigen doch, dass das Leben nicht nur aus aufgebürdeter Arbeit besteht. Dass Menschen arbeiten wollen, ohne zu müssen, zeigt uns, wie Freiwilligkeit, freie Entscheidung und Selbstständigkeit motivieren kann. Diese Einstellung sollten wir in den Angestellten-Arbeitsalltag einfliessen lassen. 

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